Didaktisches Konzept
Lernzyklus. Jedes Werkzeug beginnt mit dem Einstieg: Ich-kann-Sätze machen das Ziel sichtbar, und eine Vermutung wird festgehalten, bevor das Werkzeug geöffnet wird. Dieses Vorgehen folgt der Predict–Observe–Explain-Strategie (White & Gunstone 1992): Wer sich vorher festlegt, nimmt die Beobachtung genauer wahr und muss eine Abweichung erklären. Dann folgen das Werkzeug, ein gestuftes Aufgabenset und die Reflexion, in der die Vermutung mit der Beobachtung verglichen wird.
Gestufte Aufgaben. Die Aufgabensets steigen nach der SOLO-Taxonomie an (Biggs & Collis 1982): ein Merkmal kennen (unistrukturell), mehrere Schritte verbinden (multistrukturell), Zusammenhänge begründen (relational). Die Stufe steht an jeder Aufgabe, damit der Anstieg als Plan lesbar ist und nicht als zufällig schwerer werdende Fragen.
Deeper Learning. Tiefes Lernen wird als Abfolge von drei Phasen beschrieben: Instruktion und Aneignung, Ko-Konstruktion und Ko-Kreation sowie authentische Leistung (Sliwka & Klopsch 2022). Die ersten vier Schritte jedes Werkzeugs decken die Phase der Aneignung ab. Der fünfte Schritt „Anwenden“ ist bewusst nicht von der Plattform vorgegeben: Was die Lernenden mit dem Gelernten für echte Menschen tun, legt die Lehrkraft als Phase im Projekt fest; das Werkzeug zeigt dann genau diesen Auftrag. Projekte tragen die drei Phasen als vorstrukturierbaren Ablauf mit Terminen, Input von Expert*innen (hochgeladene Präsentationen, externe Plattformen), gestuften Aufträgen und Materialien je Team. Die authentische Leistung wird als Produkt abgegeben, in der Galerie einem Publikum gezeigt und nach „Zwei Sterne, ein Wunsch“ von anderen Teams und dem Publikum rückgemeldet; die Feedback-Schleife auf dem Board (Rückmeldung, Antwort, abhaken) macht formative Rückmeldung sichtbar (Hattie & Timperley 2007).

Die 4K. Jede Anwendungsaufgabe nennt, welche der vier Kompetenzen sie vor allem übt: Kreativität, Kritisches Denken, Kommunikation, Kollaboration (Fadel, Bialik & Trilling 2015; Sliwka & Klopsch 2022). Im Projekt halten die Teams ihre Einschätzung dazu im 4K-Bogen selbst fest.
Diagnose statt Note. Der Lernstand im Dashboard zählt nur abgeschlossene Aufgabensets und zeigt als Ampel, wie viel auf Anhieb richtig war. Rot heißt: mit dem Kind sprechen. Die offenen Antworten aus der Reflexion sind die qualitative Ergänzung dazu. Das folgt dem Verständnis formativer Beurteilung, nach dem Rückmeldung dann wirkt, wenn sie den nächsten Lernschritt zeigt statt eine Leistung zu bewerten (Black & Wiliam 1998; Hattie & Timperley 2007).
Quellen
- Biggs, J. B. & Collis, K. F. (1982). Evaluating the Quality of Learning: The SOLO Taxonomy. New York: Academic Press.
- Black, P. & Wiliam, D. (1998). Assessment and Classroom Learning. Assessment in Education: Principles, Policy & Practice, 5(1), 7–74.
- Fadel, C., Bialik, M. & Trilling, B. (2015). Four-Dimensional Education: The Competencies Learners Need to Succeed. Boston: Center for Curriculum Redesign.
- Hattie, J. & Timperley, H. (2007). The Power of Feedback. Review of Educational Research, 77(1), 81–112.
- Sliwka, A. & Klopsch, B. (2022). Deeper Learning in der Schule: Pädagogik des digitalen Zeitalters. Weinheim: Beltz.
- White, R. T. & Gunstone, R. F. (1992). Probing Understanding. London: Falmer Press.
